Eine Ode an den Badeanzug

Der Sommer steht vor der Tür und für uns bei LIN VA PAI stellte sich die Frage, seit wann gehen wir Menschen eigentlich „klassisch“ baden und wie hat sich die Bademode im Laufe der Zeit verändert?

Eine Ode an den Badeanzug

Von Annette Kellerman und Louis Réard bis hin zu LIN VA PAI. Die Erfolgsgeschichte der Bademode.

Der Sommer steht vor der Tür und damit auch die ausgiebigen Sommertage am Meer und im Schwimmbad. Für uns bei LIN VA PAI stellte sich im Kontext der Firmengründung die Frage, seit wann gehen wir Menschen eigentlich „klassisch“ baden und wie hat sich die Bademode im Laufe der Zeit verändert?

Die Australierin Annette Kellerman war Showschwimmerin und sorgte um 1907 für Aufregung aufgrund ihres eng anliegenden Badeanzuges.

Das Verlangen zu baden haben die Menschen seit jeher. Im Altertum gingen die Menschen entweder nackt oder mit Unterwäsche baden. Die klassische Differenzierung „Bademode“ reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Wobei dies hauptsächlich für die Herren galt, denn die viktorianischen Styles für Frauen setzten vorerst auf strenge moralische Richtlinien. Dabei trugen die Frauen lange Kleider, die kein bisschen Haut vorzeigen durften. Diese „strenge Bademode“ blieb das gesamte Jahrhundert weitestgehend unverändert. Weiterhin ging es damals vielmehr darum, dass Frauen sich eher verhüllen als Spaß und Erholung beim Baden empfinden sollten. Erst in den späteren Jahren des 19. Jahrhunderts waren Pumphosen in Kombination mit langen Röcken und Badehemden für Frauen also Bademode „en vogue“. Dies führte zwar zu mehr Bewegungsfreiheit, verhüllte jedoch immer noch den gesamten Körper und war alles andere als praktikabel.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts sorgte die australische Schwimmerin Annette Kellerman mit ihrem Badeanzug für Aufsehen. Zum ersten Mal in der Geschichte trug eine Frau einen Badeanzug, der weder Arme noch Beine verdeckte und somit nackte Haut vorzeigte. Für diese Provokation wurde sie am Strand von Boston unter dem „Vorbehalt der Erregung öffentlichen Ärgernisses“ verhaftet. Ausgehend von ihrer starken Argumentation vor Gericht und ihre anhaltende Überzeugung davon, dass Bademode auch für Frauen praktikabel sein muss, wurde ihre Badeanzugkollektion „The Annette Kellerman“ 1910 in Teilen Europas offiziell anerkannt und vermarktet. Der Erfolgszug des Badeanzugs begann. In Berlin fand die erste Bademodenschau mitten auf dem belebten und berühmten „Ku’damm“ statt. Die Frauen erkannten die Vorzüge kurzer Bademode und erlebten die Abkühlung im Wasser an heißen Sommertagen ganz neu. Gesellschaftlich war kurze Bademode jedoch noch lang nicht in den Köpfen aller angekommen. Im Chicago der 20er Jahre wurden Frauen bei jedem kleinsten Zentimeter zu viel Beinfreiheit noch verhaftet und selbst in den 30ern gab es Versuche mittels des sogenannten „Zwickelerlass“ von Franz Bracht, zu viel weibliche, nackte Haut an den Stränden der Kurorte Deutschlands zu verbieten.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte entwickelte sich die Bademode durch zukunftsweisende Designer:innen weiter und erlebte eine Revolution. Säume wurden kürzer, Ausschnitte wurden tiefer, aus Kleidern wurden freizügige Einteiler. Ähnlich wie es Anette Kellerman tat, versuchten die Herren Jacques Heims und Louis Réards in den Jahren um 1946 den bis dato nicht ganz so bekannten und schon gar nicht erlaubten Zweiteiler unter den beiden Namen „Atom“ und „le bikini“ auf dem Markt zu etablieren.

Der Franzose Louis Réard war Maschinenbauingenieur und gilt als Erfinder des Bikinis.

Der Bikini sorgte daraufhin für einen erneuten Umbruch in der Bademodeindustrie. Bikinis eroberten die Strände und Schwimmbäder – in sämtlichen Farben, Mustern und Schnitten und das jede Saison neu gedacht. Der Bikini war provokant, freizügig und frivol. Er zeigte das öffentlich, was der Welt eine so lange Zeit vorenthalten wurde. Den Körper der Frau, mit all den schönen Kurven und Rundungen. Skandalös? Allerdings und das zu Recht! Was Jahrzehnte lang verboten, gar verpönt war, konnten Frauen nun in vollen Zügen genießen. Die gewonnene Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Normen und Regeln und der erhöhte Zuwachs der Selbstbestimmung über den eigenen Körper überzeugte Frauen weltweit, und der Bikini verdrängte zunehmend den klassischen Badeanzug von der Bildfläche. Warum? Der Badeanzug, wie ihn u.a. Annette Kellerman etablierte, restrukturierte zwar die Bademodekultur für Frauen, hatte jedoch eine enorme Schwäche. Als Einteiler, der schwer schnell zwischendurch ausgezogen werden konnte, war eher unpraktisch und transportierte nicht mehr das Gefühl einer gewissen Unabhängigkeit. Somit stand der Badeanzug dem Bikini in einigem nach.

Es wird Zeit für eine neue Erfolgsära des Badeanzugs. LIN VA PAI hat sich das Ziel gesetzt, dem Badeanzug den Glanz und Gloria der einstigen Tage wieder zu geben. Wir als Gründerinnen verstehen ganz genau, welche Ansprüche und Wünsche Frauen an einen Badeanzug haben. Es ist an der Zeit beim Tragen eines Badeanzugs die Freiheit zu ermöglichen, die Frauen so lange an einem Einteiler vermisst haben.

Rückblickend auf die Anfänge der Bademode war der Strand ein Ort, an dem Mode und Politik aufeinanderprallten und sich überschnitten. Die frühesten Bademodedesigns ebneten den Weg für eine liberalere Denkweise. Dem Mut der Frauen, wie Annette Kellerman, ist es zu verdanken, dass die damals und auch heute noch besonders Männer dominierte Industrie das Bedürfnis der Frauen nach ästhetischer aber auch funktionaler Bademode sieht und umsetzt. Ein Badeanzug war und ist so viel mehr als reine Bademode. Sie soll allen Trägerinnen zu mehr Selbstakzeptanz und Unabhängigkeit an den Stränden dieser Welt verhelfen. Auch wenn der Weg zur absoluten Selbstbestimmung der modernen Frau leider noch ein weiter ist, sind wir höchst motiviert unseren Beitrag zu leisten.

Die Branche braucht eine neue Revolution! Begleitet uns dabei und lasst uns gemeinsam die Geschichte des Badeanzugs weiterschreiben.

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